Keine Angst vor bösen Wölfen
Kinder, Jugendliche und Erwachsene würdigen Konzert-Marathon der Musikgemeinschaft

Von Alexandra Jegers

Marl. Der letzte Ton klingt noch nach, die Musiker auf der Bühne legen langsam ihre Instrumente zur Seite. "Zugabe!", rufen die Besucher im nahezu ausverkauften Theater Marl, und es sind nicht nur die Erwachsenen, die anschließend klatschen und pfeifen - der tosende Beifall mit dem die Musiker am Ende des Konzerts geehrt werden, kommt fast ausschließlich von den 760 anwesenden Kindergarten- und Grundschulkindern.

Die kleinen Zuhörer jubeln, das Konzept der Musikgemeinschaft und der städtischen Musikschule ist voll aufgegangen. In einer bemerkenswerten Kooperation brachten beide Institutionen gemeinsam den Kinderkonzertklassiker "Peter und der Wolf" auf die Bühne, luden anschließend sämtliche Schulklassen der Stadt zur Vorstellung ins Theater. Die Resonanz war riesig: Bereits eine halbe Stunde vor Konzertbeginn tummelten sich hunderte Kinder vor den Theatertüren. 760 Besucher füllen dann die Räume des Theaters. Und das 16-Uhr-Konzert ist erst eines von insgesamt drei, die an diesem Tag zu Gehör gebracht werden. "'Peter und der Wolf' ist sicherlich eines der schönsten Stücke für Kinder", sagt Klaus Peter Lang, Vorstandsmitglied und Schriftführer der Musikgemeinschaft. Komponist Sergej Prokofjew schrieb das Stück damals eigens für Kinder mit der Absicht, durch das sinfonische Märchen bei den jungen Zuhörern Interesse an der Musik zu wecken. "Heutzutage gibt es kaum ein besseres Stück, um Kinder mit den Instrumenten des klassischen Orchesters vertraut zu machen."

Konzertpädagogin und Erzählerin Lisa Unterberg begrüßt das junge Publikum zu Beginn der Vorstellung und bereitet es mit einem Frage-Antwort-Spiel auf das nachfolgende Konzert vor. Ob die Kinder denn wissen, welche Instrumente die Musiker auf der Bühne spielen, will die Pädagogin wissen. Kein Problem für die anwesenden Grundschul- und Kindergartenkinder: Augenblicklich liefern hunderte junge Stimmen die richtigen Antworten.

Spielend leicht lernt das Publikum wie die einzelnen Instrumente funktionieren und welchem Instrument welcher Charakter zugeordnet ist. Das ist wichtig, denn bei dem Stück "Peter und der Wolf" bekommt jede Figur der Geschichte ein eigenes Instrument zugeordnet: Den Wolf symbolisieren die lauten Hörner, den gutmütigen Großvater das Fagott und die quakende, schnatternde Ente die Oboen. Peter, die Hauptfigur, wird von den Streichern charakterisiert. "Jungs wie Peter...", sagt Lisa Unterberg am Ende der Einführung. "... haben keine Angst vor Wölfen!", ergänzen sämtliche Anwesenden laut und einstimmig. Das ist das Zeichen: Die Kinder sind bereit, das Konzert kann beginnen.

Eine knappe Stunde lang entführen die Musiker die jungen Zuhörer in die Welt von Peter und seinen Freunden. Zum Schluss müssen sie zwei Zugaben geben - und werden von den Kindern nach jeder Zugabe mit tosendem Applaus geehrt.

Die Resonanz und Teilnehmerzahl der Schulen war so groß, dass die Musiker nach dem 16 Uhr-Konzert noch zwei weitere Vorstellungen spielten - eine um 17:30 Uhr für die Schüler der weiterführenden Schulen und eine Abends für die Älteren. Rund 2500 Schüler aus ganz Marl besuchten die Konzerte.

Im nächsten Jahr wollen die Musikgemeinschaft und die städtische Musikschule ihre Kooperation und das Kinderkonzert sehr gerne wiederholen, dann jedoch nicht mehr mit "Peter und der Wolf" sondern vielleicht mit dem Klassiker "Karneval der Tiere".

Luis Juszczak (8) würde sich darüber freuen:"Ich fand das Konzert richtig gut." Ein Instrument spielt der Drittklässler noch nicht, aber nach dem heutigen Tag könnte er sich das sehr gut vorstellen.

Quelle: Marler Zeitung vom 28.02.2011



Lisa Unterberg erklärt den Kindern, wie eine Saite funktioniert.
Foto: Wilfried Böhlmann

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